Andreas Vincent Weber: Motten

Es fing alles mit den Motten an. Er brachte es einfach nicht übers Herz, die eine kleine Motte zu erschlagen, die da so nebenbei in seine Wohnung geflattert kam. Er blinzelte ihr sogar noch zu und nannte sie liebevoll Fred. Tatsächlich kam Fred aber nicht alleine: Er hatte seine Verlobte im Schlepptau. Die Wohnung gefiel den beiden sehr und da sie ohnehin auf der Suche nach einer neuen Bleibe waren, blieben sie.

Das Mehl begann zu leben, der Reis begann zu leben, ja sogar die leeren Amazon™ – Kartons neben dem Stapel von Anzeigeblättern, die Er jeden Sonntag gewissenhaft aus seinem Briefkasten fischte, auch sie begannen zu leben. Und so lebte das ganze Zimmer.

Seiner Meinung nach war nun aber doch etwas viel Leben in der Bude; Er wollte seine geliebte Ruhe zurück. Dazu gab es einen simplen Plan in seinem Kopf – Er musste Dustin gewähren lassen. Dustin, das war sein Erzfeind. So sehr Er auch Tiere liebte, Spinnen hasste Er. Doch nun musste Er es zulassen, dass Dustin sich vermehrte. Und so ward es.

Aus dem weißen, klebrigen Haufen, die Dustin in der Wohnung hinterließ, wurde eine große Horde kleiner Dustins. Sie bevölkerten die Gratiszeitungen, die Amazon™ Kartons, den reis und, ja, sie bevölkerten auch das Mehl. Er ekelte sich vor den Dustins doch bald schon würde zumindest die Mottenplage vorüber sein. Er räumte einige Stappel des durchweichten Zeitungspapieres (Nanu, woher kommt denn das ganze Wasser her?) zur Seite und legte sich schlafen.

Die Kinder von Fred wollten sich verpuppen und kletterten dazu die Wände hoch. Sie nahmen die beigen Gardinen ein und schenkten ihnen ein lebendes Muster. Doch die Dustincrew war schon zur stelle und war auf Konsum aus. Die Schlacht hatte begonnen.

Es war ein Gemetzel.
Es war ein Gemetzel.

YAY!

Irgendwie war die Situation außer Kontrolle geraten. Die Motten waren weg. Dustin und seine Homies waren noch da.

Er wollte sich am Hinterkopf kratzen, aber er konnte nicht.

Alles klebte.

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