Andreas Lugauer: Yves Eigenrauch

Einleitung

Es ist an der Zeit, sich festzulegen: Der lustig-schönste Name aller Zeiten und Länder und eines Helden überhaupt ist der des langjährigen Abwehrspielers des FC Schalke 04 >Yves Eigenrauch<.

Yves Eigenrauch.

Yves Eigenrauch hat für einen Verteidiger eine bemerkenswerte Fairplay-Bilanz. Er [d.i. Yves Eigenrauch] erhielt in seiner gesamten Bundesligazeit nur 15 gelbe Karten, keine einzige rote Karte und – das muss dazugesagt werden –, Yves Eigenrauch verteilte die 15 gelben Karten sehr geschickt auf seine Profikarriere, denn: Yves Eigenrauch war nie gesperrt, wie es einem in der Herren-Fußballbundesliga nach der fünften gelben Karte in Folge geschieht. Opa meinte zwar, der fairste Spieler der Welt sei der Brasilianer Eusebio gewesen, aber »fair« hat, neben »fair«, einen viel schöneren Namen:
Yves Eigenrauch.

»Der Schiri brauchte kaum einzugreifen, denn das Spiel verlief sehr yveseigenrauch.«
»Alles eine Frage der Yveseigenrauchness!«
»Mein Play heißt Yveseigenrauchplay!«

Fairnesssätze, wie sie schöner kaum sein könnten.

Eigenrauch, ~Yves~ Eigenrauch. (Gut, dass ich nicht Eigenrauch heiße. Denn wie die Kinder benamsen als mit Yves?! Das heißt vielmehr: schade! Denn wenn ich eine Tochter erwartete, ich könnte sie Eve nennen.)
Yves Eigenrauch.

»Sag mal, ist das nicht ein kleins zu viel des Yveseigenrauchlobs?« Nein, das ist schon füglich richtig so, denn wenneiner des Lobes bedarf, weil er so sehr der Selbstbeweihräucherung enträt, ja qua Namen entraten muss, dann Yves Eigenrauch. Gelobt sei dein Name, Yves Eigenrauch.

Yves Eigenrauch.


Yves Eigenrauch Fakten

1)
Yves Eigenrauch hat in einem Spiel den damaligen brasilianischen Weltfußballer Ronaldo komplett abgemeldet. Ronaldo musste sich danach beim Verband einen neuen Spielerpass ausstellen lassen, einen neuen Spielervertrag mit seinem Verein abschließen, zum Einwohnermeldeamt gehen, Gas, Wasser, Telefon/Internet und Mülltonne wieder anmelden, Qualitätszeitung, Käseblatt und Zeitschriften wieder abonnieren, Versicherungspolicen neu abschließen, allerhand auf der Sparkasse erledigen etc. Bei vielem wurden ihm aber bessere Konditionen eingeräumt, so dass Ronaldo am Ende zwar einiges Nerviges zu erledigen hatte, finanziell aber besser dastand.
Danke, Yves Eigenrauch!

2)
Yves Eigenrauch kam vor seinem ersten Profieinsatz nur deswegen in den Kader, weil Mitspieler vor einem Auswärtsspiel in der Mittagspause Backgammon gespielt hatten und dafür aus dem Kader geschmissen worden waren.
Wollte Yves Eigenrauch überhaupt Profi werden? Yves Eigenrauch: «Nö.»
Yves Eigenrauch war einer, der es schaffte, obwohl er gar nicht wollte.

3)
Und einmal hätte Yves Eigenrauch beinahe eine Musikerkarriere begonnen. Der schwedische Gitarrengöttervater Yngwie Malmsteen nämlich kam auf ihn zu und meinte: «Hey, you have a pretty cool name, Yves Eigenrauch! How ’bout making some music together? We could be a duo called Ai Y. Y., or, wait, better: Yngwie Malmsteen and the Ownsmoke Yves!»
Yves Eigenrauch überlegte nicht lange und sagte, obschon er außer der Blutbratsche in fair-moll kein Instrument konnte:«Yeah, Yngwie, y not!», weil yngwie irgendwie würde er sich schon einbringen können im Studio, und an Kultur war er eh interessiert. Im Mannschaftsbus war Yves Eigenrauch es gewesen, der stets hinter einem Buch gesessen und so z.B. Dürrenmatt zu einer sehr obskuren Lektüreumgebung verholfen hatte.

Als Yngwies Management schließlich auf Yves Eigenrauchs Festnetzanschluss anrief, um ihm den Studiotermin durchzugeben – da war’s mit Yves’ möglicher Musikerkarriere
auch schon wieder vorbei! Yves Eigenrauch hatte nämlich, obwohl spiel- und trainingsfrei, an dem Termin schon was anderes vor. Wie schon beim zehnjährigen Jubiläum des Uefa-Cup-Gewinns der Schalker!

Da war Yves Eigenrauch nämlich zelten gewesen. (Offenlegung: Tatsache!) Man hatte ihm erst vier oder fünf Wochen vorher Bescheid gesagt, und da muss man Yves Eigenrauch erlauben, dass er eventuell auch etwas anderes geplant haben könnte.

(Es war toll gewesen dort, unterhalb der Müritz, am Leppinsee. Dort war er mit dem Schlauchboot gefahren und das Wetter nett gewesen, wie Yves Eigenrauch der Wochenzeitung «Die Zeit» verriet.)

4)
Yves Eigenrauchs Name «öffnet Türen» (Yves Eigenrauch).
Wahrscheinlich hat Yves Eigenrauch eine Alarmanlage mit Buchstabencode.

5)
Yves Eigenrauch wohnt in einer kleinen Mietwohnung, die er durchsaugen kann, ohne den Staubsauger umzustöpseln. Gut, nicht ganz, einmal muss er umstöpseln.

Arabella Block: Spielanleitung für Helden

Jeder bekommt eine Spielfigur.

Du musst eine Farbe anmelden,
sonst gibt es keine Helden.
Sonst singen sie nicht. Singen wie die Kiebitze.
Dazu muss es Seiten geben. Mindestens zwei muss es geben.
Hat etwas Seiten im Leben,
dann singen sie wieder, singen die Lieder
von richtig und falsch.

„Der Held liegt im Auge des Betrachters, doch er schert sich nicht drum.“


Wähl deine Seite und zieh.

Wähle Schwarz oder Weiß!
Nicht Feldgrau oder braun wie das Vieh.
Helden stehen nicht an Übergängen,
nicht an sanften Hängen,
selten im Morgengrauen und im Abenddämmer nie.
Sie stehen High Noon. Schattenlos.
Ohne den Schatten eines Zweifels, bloß
im Rücken und die festumwallte Burg.

„Der Helden steht immer am Abgrund, den er sich selbst gegraben hat.“

Schlag deinen Gegner aus dem Feld,

Den Gegenheld.
Helden erkennt man daran,
dass sie sterben.
Helden sind niemals Erben.
Helden leben nicht lang. Helden ist deshalb nicht bang.

„Helden glauben nicht an Schicksal, sie werfen sich ihm in die eisernen Zähne.“


Leider verloren.

Reden wir nicht darüber.
Singen wir Lieder.

„Der Held geht niemals im Kreis und das immer wieder.“


Singen will ich oh Muse
,

von ciao bella ciao bella ciao.
Wir haben nichts zu verlieren, die Reihen fest geschlossen,
es klappern die morschen Knochen,
ins Moor, ins Moor.
Komm, schöner schwarzer Vogel,
komm Kiebitz, sing mir das Lied,
es ist immer das Lied vom Tod.

Das Leben spuckt Helden wieder aus,
Das Leben spielt immer remis.
Nur der Held wird zerkaut und durchverdaut.
Das Richtige tut man einmal oder nie.

Dann vergeht dem Kiebitz das Pfeifen.

Angelika Jodl: 鴛鴦 (Mandarinente)

Durch den Frost im Winter war der Boden gut vorbereitet. Als Lai Fang Lei ihn mit der Harke bearbeitete, fiel die Erde in schwarzen Brocken auseinander. Regenwürmer wanden sich auf den Klumpen. Seine Familie besaß noch mehr Ackerland am Dorfrand, heute hatte er nur die drei Mu hinter seinem Haus pflügen können. Aber Bohnen und Mais kamen sowieso erst in zwei Wochen dran.

Er legte die Hacke beiseite, holte das große Sieb und lehnte es an den Pflaumenbaum am südlichen Ende des Ackers. Dann lud er die Schubkarre voll mit Erde, fuhr sie dicht an das Sieb und begann, die speckigen Klumpen gegen das Sieb zu werfen. Es war harte Arbeit, Lai spürte, wie ihm Schweißtropfen in die Augen rannen und legte den Kopf in den Nacken. Oberhalb seines Hauses schwang sich die Große Mauer durch die Berge, zwischen dem Mädchenturm und dem Pekingblickturm genau über der Himmelsbrücke stand reglos eine weiße Wolke.

Hier war er geboren und aufgewachsen, er kannte die Mauer so gut wie sein Haus, die restaurierten Teile ebenso wie die Wilde Mauer. Vor vier Jahren hatte er mitgeholfen, das Stück zwischen Jinshanling und Simatai auszubauen. Sie sammelten die alten Steine, rührten Mörtel an und flickten die Stellen, wo Wind und eingewachsene Bäume die Mauer geschliffen und zersprengt hatten. An einer Stelle hatte er einen Stein mit einem alten Schriftzeichen gesetzt. Es war ein besonderer Moment gewesen, obwohl weder er noch seine Kollegen das Zeichen lesen konnten. Es mochte zweitausend Jahre alt sein, wer wusste das schon. Jedes Mal wenn er Gäste auf diesen Mauerabschnitt führte, machte er kurz Halt, um seinen Stein mit dem Zeichen zu grüßen.

Letzten Monat hatte er zwei japanische Touristen über die Himmelsleiter geleitet. Die Japaner waren trainiert, sie schafften das schwierige Stück ohne dass er sich sorgen musste um sie. Harte Burschen waren das, nachts lagen die Temperaturen oben bei Null Grad, aber sie rollten ihre Schlafsäcke in einem der Türme aus, tranken heißen Tee und legten sich zum Schlafen auf den Boden, als ob sie das alle Tage täten. Am nächsten Morgen setzte sich ein Baumfalke ganz nah vor sie auf einen Giebel am Turm. Die Japaner waren begeistert und fotografierten den Vogel von allen Seiten. Sie malten mit einem Stock Schriftzeichen in die Erde, Lai verstand, dass sie in ihrer Heimat Vogelkundler waren.

Wieder belud er die Schubkarre und warf die schweren Brocken gegen das Sieb. Auf der anderen Seite hatte sich schon ein schöner Hügel feinkrümeliger Erde gebildet. Noch eine Stunde, dann konnte er sie ausbringen und Furchen für die Samen ziehen.

Um diese Uhrzeit war seine Frau noch im Innenhof beschäftigt, reinigte den Backofen und bereitete die Mittagsmahlzeit zu. Demnächst käme sie heraus, um ihm beim Einbringen der Zwiebelsaat zu helfen, dann würden sie sich in den Hof setzen und Reis mit Gemüse essen, das war die gewohnte Reihenfolge. An jedem anderen Tag hätte Lai sich darauf gefreut, aber heute wäre es ihm lieber gewesen, die Frau bliebe im Haus. Bestimmt würde sie ihn nach dem Moped fragen, das seit gestern Abend nicht mehr im Schuppen stand, die Rede würde weiter auf den Abend kommen, auf ihren Bruder, auf das Mahjong Spiel und bei jeder ihrer Fragen könnte er nichts anders tun als den Kopf hängen zu lassen.

Er ergriff die Schaufel und begann in großen Schwüngen die Erde auf dem Acker zu verteilen. Die abgetrockneten, helleren Krümel legten sich als feine Schicht über den dunkleren Grund. Der Schweiß rann ihm in die Augen, er legte den Kopf in den Nacken und fuhr sich mit dem Unterarm über die Stirn. Vom Hof her hörte er ein leichtes Klappern. Die Frau kam heraus. Schweigend nahm sie den Rechen und begann vom Nordende des Ackers her Furchen zu ziehen. Sie arbeitete in raschem Rhythmus. Lai beschleunigte seine Würfe.

An der Westseite grenzte sein Acker an den des Nachbarn, immer noch wucherte da das Unkraut. Zwischen den Grasbüscheln tauchte die schwarze Katze des Nachbarn auf. Lai mochte beide nicht, die Katze und den Nachbarn. Leise wie ein Dieb schlich sie herbei, hielt an mit erhobener Pfote, dann betrat sie sein Feld und begann in der frisch ausgebrachten Erde zu scharren. Lai klatschte in die Hände, um sie zu vertreiben, er wusste, was sie vorhatte. Später, wenn erst die Zwiebelsamen gesetzt waren, käme sie noch einmal und würde alle ausgraben. Ausgiebig scharrte die Katze weiter. Lai bellte wie ein Hund, sie hielt kurz inne, dann scharrte sie noch emsiger.

„Gaiside, mao!“, schrie Lai – Geh zum Teufel, Katze! – er sah sich nach einem Stein um, den er nach ihr werfen könnte.

In dem Moment erschien der Nachbar auf seinem Grund. Offenbar hatte er gerade zu Mittag gegessen. Er hielt ein Teeglas in der einen Hand, in der anderen ein Stück Zuckerrohr, an dem er nagte.

„Nimm deine Katze mit!“, rief Lai ihm zu. „Sie macht mir die Arbeit hier kaputt.“

Der Nachbar ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. „Gestern war Versammlung im Dorf“, erklärte er. Er schnaufte wichtig. „Parteikader Liu war hier. Aus Beijing. Er ist mit einem Auto gekommen.“

Die Katze saß gesittet mitten auf dem Acker. Lai beobachtete sie aus den Augenwinkeln. Er war entschlossen, sie zu verjagen, sobald sie wieder anfing zu scharren.

„Es ist so“, sagte der Nachbar, „dass Parteikader Liu dann noch in meinem Haus etwas gegessen hat. Wir sind so miteinander.“ Teeglas in der einen Hand, Zuckerrohr in der anderen, spreizte er seine beiden Zeigefinger ab, um sie aneinander zu klopfen. „Schnaps haben wir auch zusammen getrunken, der Herr Liu und ich.“ Vergnügt lutschte er weiter an seinem Zuckerrohr.

Ohne zu antworten, warf Lai weiter Erde auf den Boden.

„Ich habe über viele Dinge gesprochen mit dem Parteikader Liu. Er hört auf mich, weißt du?“

Die Katze erhob sich und machte einen Buckel. Lai bückte sich, hob den Stein vor seinem Fuß auf und zielte.

„He! Lass meine Katze in Ruhe, Lao Lai!“, schrie der Nachbar. Lai pfefferte den Stein direkt neben sie. Zielen konnte er, etliche Wildkaninchen hatte er schon auf diese Weise getötet. Entsetzt floh die Katze zurück zu ihren Grasbüscheln. Leise schimpfend trat auch der Nachbar den Rückzug an.

Die Arbeit war beendet. Schweigend ging Lai neben seiner Frau in den Hof und setzte sich auf den Boden. Auf dem niedrigen Holztisch vor ihm dampfte in einer Blechschüssel der Reis. Er ergriff seine Stäbchen. Hastig schaufelte er sich Reis in den Mund. Die Frau stellte drei Teller auf das Tischchen. Gestocktes Ei mit Zwiebeln und Spinat mit Erdnüssen und Trockenchili. Zwei Teller frisch gekochter Speisen und einer mit rohem Lauch und Paprika. Normalerweise gab es zum mittäglichen Reis nur die Reste vom Abendessen zuvor. Voll schlechtem Gewissen rupfte er sich ein Stück aus dem flaumigen Eierstich und schlang es hinunter.

„Laopo – ehrwürdiges Weib“, sagte er, „ich muss dir etwas sagen.“

Die Frau aß schweigend ihren Reis.

„Gestern Abend habe ich mit deinem Bruder Mahjong gespielt. Wir haben Reisschnaps getrunken.“ Hatte sie verstanden, was als nächstes käme?

„Das Moped“, sagte Lai mühsam, er spürte, dass sein Gesicht dunkler wurde, „das Moped ist leider kaputtgegangen. Es hängt in einem Baum auf der Straße zu unserem Haus.“

Seine Frau stand auf und ging ins Haus.

Ängstlich sah er ihr hinterher. Es gab Frauen in der Nachbarschaft, das wusste er, die waren wie Tiger, verprügelten ihre Männer bei geringeren Anlässen mit dem Besen. Den Nachbarn, der sich mit dem Parteikader so wichtigmachte, hatte er schon ein paar Mal laut schreien hören.

Sie kam zurück. In der Hand hielt sie die Teekanne und zwei Gläser. Sie stellte sie auf den Tisch und goss heißen Tee ein. „Mann“, sagte sie, „ich möchte dir einen Rat geben.“

Er wagte nicht, sie anzuschauen, starrte auf das Geschirr.

„Du sollst nicht mit dem Moped fahren, wenn du Reisschnaps getrunken hast.“

Jetzt konnte er sein Gesicht wieder zeigen. Er glaubte fast nicht, was er da hörte. Kein Schimpfen? Kein Geschrei? „Ich hole das Moped heute Nachmittag“, versprach er. O, wie war er dankbar für diese Frau! Er hatte die beste bekommen, eine Fleißige war sie, einen Sohn hatte sie ihm geboren und sanft war sie auch noch! Einen goldenen Ziegel hielt er in den Händen mit dieser Frau! Lai Fang Lei, Bauer an der Großen Mauer, schlürfte seinen Tee voller Genuss. Gleich am Nachmittag würde er das Motorrad holen und zusehen, ob er es flicken konnte.

In Ruhe aß er nun Reis, Ei, Spinat, er trank heißen Tee und genoss den Anblick seines Hofs. Was hätte wohl die Frau des Nachbarn mit ihrem Mann gemacht? Hinter dem Anwesen rauschten die Bambusblätter, aus dem Koben grunzte das Schwein. Alles war, wie es sein sollte.

Anz Nebel: Helden

So toll wie sonst nur die 80er oder 90er, 70er oder noch schlimmer.
Du denkst an Batman, du denkst an Supermans Cape, das irgendwie diese absurden Schwerkraftmoves, besser Antischwerkraftmoves draufhat, wie in einem Parabelflug für immer, an Superman, weil er irgendwie dazugehört und fragst dich: wie genau sind diese Menschen gealtert?

Sie haben geraucht und sich dran gewöhnt
Sie haben gesoffen und sich dran gewöhnt
und dann bleibt das – hängen – kleben
und da sind die Falten und alles. Alter.

Ich wünsch mir eine*n Held*in in meinem Leben und es macht mich ein wenig traurig, dass es das nicht mehr gibt, seit die Leute in den 70ern sich diese Postmoderne ausgedacht haben, seit wir nicht mehr nur schwarz-weiß sehen gibt es niemanden mehr, den/die man uneingeschränkt bewundern kann. Danke Nazis.
Ich weiß schon, es ist gut weil emanzipatorisch, aber einfacher wärs schon.

Back in the 90s: Als ich ganz klein war, da war ich der festen Überzeugung, dass man aufhört zu weinen, sobald man 18 Jahre alt wird. Erwachsene sind quasi Superhelden in meiner kleinen 4-Jährigen-Ideologie. Wenn ich in meiner privatpersönlichen Coming-of-Age-Phase alle Tränen verschütte, die ich habe, dann bin ich den Rest meines Lebens trockene Melancholikerin und somit auf der sicheren Seite, das ist mir klar. Jetzt bin ich groß, groß wie du, Mama. 5 Jahre entfernt von dem Schwangerschaftstest, der dir mich gebracht hat. Als du allein warst und doch so zu zweit. JA? NEIN? Danke.

Matt S. Bakausky: Spiel, Satz und…

Meine Mutter nahm einen Zug von ihrer Movie, aschte ab und sagte „Vom nächtelangen Zocken vor dem TV bekommst du noch viereckige Augen!“ Ich hielt das zu diesem Zeitpunkt noch für einen dummen Spruch. Ich betrachtete meinen Augen dennoch vorsichtshalber von nun an intensiv beim morgendlichen Zähneputzen im Spiegel – war nicht schon eine winzige kleine Vereckung wahrnehmbar? Ich zweifelte immer noch an dieser Behauptung, hielt sie für einen mütterlichen Satz zu Erziehung, in der selben Liga wie „Wenn du eine Grimasse schneidest, bleibt dein Gesicht so“, „Wenn du deinen Teller nicht auf isst, regnet es morgen“ oder „Rauchen ist tödlich“. Zwanzig Jahre und viele Konsolengenerationen später traue ich mich tagsüber nur noch mit Sonnenbrille aus dem Haus – denn sonst zeigen die Kinder mit ihren kleinen Fingern auf mich und sagen zu ihren Müttern: „Guck mal Mama, der Mann hat aber komische Augen“.Zähneputzen um Zähneputzen konnte ich die fortschreitende Vereckung meiner Augen betrachten. Bis ich irgendwann alle Spiegel abgehängt habe. Ein Augenarzt inspizierte meine Augen ungläubig: „Interessante Deformierung der Augäpfel“. Er stellte Fragen und schlug mir letztendlich vor meine Augen für die Wissenschaft zur Verfügung zu stellen – nach meinem Tod selbstverständlich. Frauen gab es in meinem Leben neben meiner Mutter – im Beziehungssinne – nur kurzzeitig.Also solange bis sie meine Augen sahen. Meine Mutter nahm einen Zug von ihrer Movie, aschte ab und sagte: „Wahre Schönheit kommt von Innen.“ Einen Satz den man zum Aufmuntern sagt, wie „Die ersten werden die letzten sein“, „Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei“ oder „Nur die Besten sterben jung“. Doch ich war verzweifelt. Naja, außerdem hatten die Sätze meiner Mutter schon sowas Orakel-haftes an sich.Ich versuchte also meinen Blick für die wahre Schönheit zu schärfen. Da ich nicht wusste was dieses Innen von mir eigentlich ist, besuchte ich einen Psychologen. Dieser behandelte mich wegen meiner Minderwertigkeitskomplexe aufgrund der viereckigen Augen. Wohl um mich aufzuheitern erzählte mir Dr. Schrank von seinen eigenen Minderwertigkeitsgefühlen aufgrund seines kleinen Geschlechtsteils. Das wollte ich gar nicht wissen. Von nun an trug ich nicht nur eine Sonnenbrille, sondern polsterte meine Hose aus, wenn ich das Haus verließ. Mir war nun bewusst, dass viereckige Augen nicht das einzige körperliche Manko von mir war. Meine Mutter nahm einen Zug von ihrer Movie, aschte ab und sagte: „Es kommt nicht auf die Größe des Werkzeugs an, sondern darauf wie man es bedient!“ „Woher zur Hölle willst du das wissen?!“, fauchte ich sie an. Sie wurde still und wir redeten wochenlang nicht mehr miteinander. Dann bekam ich einen Brief von ihr. Sie schrieb sie wäre beim Arzt gewesen. Weil sie Blut hustete. Krebs in der Lunge. Wenige Wochen zu leben. Tränen kullerten aus den Ecken meiner Augen. Ich verbrachte die nächsten Wochen bei meiner Mutter im Krankenhaus, zockte immer seltener. Bis ich irgendwann die Konsole gar nicht mehr startete. Dann Nachts wurde ich vom Telefonklingeln geweckt. Ich solle ins Krankenhaus kommen. Als ich im Taxi saß merkte ich bei einem sporadischen Blick in den Rückspiegel, dass ich in der Eile meine Sonnenbrille vergessen hatte. Ich verdeckte schnell panisch meine Augen. „Alles gut bei Ihnen?“, fragte mich die Fahrerin. Ich schob die Hände beiseite und schaute in meinen ausgepolsterten Schoß. Als ich aus Versehen wieder in den Spiegel schaute traute ich meinen Augen nicht. Sie sahen irgendwie normal aus. Im Krankenhaus lag meine Mutter im Sterben. Als sie die Augen öffnete sah sie in meine nicht mehr eckigen Augen und lächelte. Sie nahm einen letzten Atemzug und sagte: „Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende“.

Nino Berry

eine geschichte verblasst, und hat wohl niemals existiert, ey wenn du niemand hast den diese intressiert… ich hab kapiert, im leben geht es oft um vieles, um fame, money und bitches weils angeblich ja n spiel is, du ziehst mit, spielst es bis zum ziel mit, schreitest durch die pforten deines einfamilienhauses und verlierst es. genau wie deine sneakers, die sweater, die caps, die warn schon fett im endeffekt aber jetzt sindse weg wie alles auf das du dich konzentriertest, und um die tristesse deines daseins konzipiertest, du kaschierer. ey shit bei mir läuft das realer, ich hatte nie ambition stillos zu sein wie so viele. bin wie jeezus, allah, ich potentiere energien zeit meines lebens, du konsumierst und fliehst vor deinem leben und vergehst, denn deine aura is leider ohne power. ey meine aura lässt deine erschaudern. du hältst dich für schlauer, auf deiner couch da doch glaub mir kritik von rich kids is nich brauchbar für mich. ihr seid nicht von dauer, wie ich, ihr seid lauter, schon klar, doch mein ziel is ja nicht so n temporärer hype, ich bin frei, modifizier meine drei elemente und mein soundtrack kommt nice.nino berry – ich meine körper, seele und geist, leben is unberechenbar und yo – ich freestyle den scheiss. ein leben lang mit I and I, dreamconnection by my sid. eine von drei dekaden ghettoblaster -nbg 4 life- und bald folgt album nummer drei – ssig jams über ne zeit, da schaffen andre nichma zwei und die sind nichma tight. ich war bei raf und usk dabei, my active rap and hiphop life was starting in 2oo5. korrekter vibe und so ergaben sich connections mit all denen, die korrekt warn und die halfen diese szene zu beleben. pennplatz kein problem. abgehen kein problem. strukturen wachsen und gedeihen und vergehen, so is des immer mit den – homes unterwegs, dinger drehen. cash war nie die intention, die intention war stets nur R A P. geld is in neun von zehn fällen ein problem, entweder weil man es nicht hat oder weils den charakter verdirbt. ich habs gesehen, sie verkaufen ihre seelen für fame und machen imagerap, damit keiner sieht wer sie sind. ich bin nicht blind, das beginnt in diesem system schon beim kind aber man merkt es nicht weil viele nicht so sind wie ich. und yo aus auigen- werden trauerweiden – entweder du gehst in der masse unter oder du bleibst lebenslang ein aussenseiter. fresse halten, maul aufreissen… ey das passiert in deutschland haufenweise, schlechter rap wird ausgezeichnet, aber von mir ausgeschalten. mein rap is anders, denn ich kann was. anstatt drauf zu halten, baller ich raus und mach es anders. mein rapstandard is gleichzeitig reallife standard, motherfuxxer, maskeraden sind für andere. ich bin das was ich sage, bis zum tod…

+++

Nino Berry bei EBMD: